Fordern und Fördern
Das Rollstuhlbasketball-Nachwuchsförderprogramm
Der Fachbereich Rollstuhlbasketball im Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Angebote im Kinder- und Jugendbereich zu erweitern und die Entwicklung der Nachwuchsarbeit im Rollstuhlbasketball voranzutreiben. Es war dringend erforderlich, ein komplexes, bundesweites Förderprogramm für junge Rollstuhlfahrer zu entwickeln und in die vorhandenen Strukturen zu integrieren.
Die verschiedenen Angebote des Förderprogramms werden in den kommenden drei Ausgaben der ›Rollstuhlsport‹ detailliert vorgestellt. Den Anfang macht die Kommission 4, Kinder- und Jugendrollstuhlbasketball. Sie ist verantwortlich für die Basis der Nachwuchsarbeit und hat dazu unterschiedliche Veranstaltungen entwickelt.
Try Out Rollstuhlbasketball
Die Grundlage für dieses Projekt entstand 1999 mit dem ersten Try Out Rollstuhlbasketball, vorbereitet und organisiert von der verantwortlichen Kommission Kinder- und Jugendsport des Fachbereichs Rollstuhlbasketball im DRS.
Die Try Outs sind Tagesveranstaltungen, die bundesweit in verschiedenen deutschen Städten in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Vereinen durchgeführt werden. Unter professioneller Anleitung qualifizierter Trainer und NationalspielerInnen wird eine entwicklungsorientierte Förderung gewährleistet.
Den Kindern und Jugendlichen werden sportliche und wettkampforientierte Inhalte unter psychosozialen und pädagogischen Aspekten vermittelt.
Angepasst an die unterschiedlichen Entwicklungspotenziale und die motorischen Fähigkeiten werden die Teilnehmer in Kleingruppen eingeteilt, um ein effizientes und individuelles Arbeiten zu garantieren.
Auf unterschiedlichem Niveau stehen im ersten Teil der Veranstaltung die verschiedenen Rollstuhlbasketball-Techniken, Ballhandling und erste taktische Grundlagen auf dem Programm. Der zweite Teil beinhaltet die Festigung und Umsetzung der erlernten Inhalte im Rahmen von wettkampforientierten Spielen mit Turniercharakter.
Die ansteigende Zahl der Teilnehmer und die Bereitschaft der Vereine zur Mitarbeit in den letzten Jahren zeigen den anhaltend positiven Trend dieser bundesweiten Veranstaltungsreihe.
Im Rahmen der Try Outs wurden in den vergangenen Jahren mehr als 50 talentierte NachwuchsspielerInnen gesichtet und zur weiteren Förderung an die Landestrainer weiterempfohlen.
Rollstuhlbasketball-Camp
Ein Tag ist nicht genug, wenn man hungrig auf Rollstuhlbasketball ist. So dachten die Verantwortlichen der Kommission Kinder- und Jugendsport.
Das Projekt Rollstuhlbasketball-Camp wurde aufgrund großer Nachfrage nach kurzer Vorbereitung mit in das Förderprogramm integriert. Bereits nach zwei Jahren zeigte sich mit diesem Angebot eine sehr nachhaltige und positive Entwicklung.
Denn Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland kommen zusammen, um über einen Zeitraum von drei Tagen intensiv unter Anleitung von aktuellen NationalspielerInnen und Auswahltrainern zu üben. Die Leistungssteigerung und der Lernprozess werden in einem speziellen Testverfahren dokumentiert.
Girls Camp
Um das Angebot zur Förderung abzurunden finden seit 2003 ein- und zweitägige ›Girls Camps‹ statt, die speziell auf die Bedürfnisse junger Mädchen und Frauen abgestimmt sind. Ziel ist, dass Mädchen und junge Frauen die Chance erhalten, mit dem neu gewonnen ›know how‹ auf dem heimischen Spielfeld ›aufzutrumpfen‹ und auch den Alltag mit mehr Selbstbewusstsein meistern zu können. Das Interesse an den Camps ist wachsend, sie haben sich inzwischen als feste Institution etabliert. Wie erhofft, nutzen zunehmend jüngere Spielerinnen die Girls Camps als Einstieg und Orientierungsmöglichkeit in der ›Szene‹. Einige viel versprechende Talente wurden bereits gesichtet und empfahlen sich in den U 23-Kader. Vereine haben die Möglichkeit, sich um die Ausrichtung einer ›Vor Ort‹-Veranstaltung zu bewerben.
Förderung in den Landeskadern
Die Arbeit der RBB-Landeskader in den Landesverbänden aber auch von Landeskadern in anderen Sportarten zeigen, wie sinnvoll und erfolgreich die Förderung in vereins- und länderübergreifenden sowie leistungsbezogenen Gruppen ist. So können beispielsweise die Landeskader von Bayern und Baden-Württemberg sehr gute Ergebnisse sowohl bei den Ländervergleichsturnieren 2005 – 2007 als auch bei nationalen und internationalen Turnieren vorweisen. Viele der dort geförderten Spieler stellen bereits einen Großteil des Perspektivkaders und der U23.
Ziel der Förderung ist in erster Linie die Gewinnung neuer Talente für die Sportart Rollstuhlbasketball und der Aufbau einer Landeskadermannschaft, welche z.B. beim jährlichen Jugend- und Junioren-Ländervergleichsturnier gegen Kadermannschaften anderer Landesverbände in Wettkampf tritt. Dazu sollen die Kaderspieler frühzeitig eine rollstuhlbasketballspezifische Ausbildung im technischen und taktischen Bereich erhalten, um so ein hohes nationales und ggf. internationales Spiel- und Leistungsniveau zu erlangen. Die Talente sollen über den Landeskader (L-Kader) dem bundesweiten Perspektivkader (P-Kader), dem U23-Kader und ggf. dem A-Kader zugeführt werden.
Sichtung und Auswahl der Talente erfolgt durch den Landestrainer auf der Grundlage von Trainings- und Spielbeobachtungen (im Ligabetrieb) sowie der Beobachtungen bei Turnieren und Fördermaßnahmen des DRS und geschieht in Kooperation mit den jeweiligen Vereinstrainern. In Absprache mit dem Landestrainer können auf Empfehlung ihrer Vereinstrainer einzelne Spieler zu den durchzuführenden RBB-Lehrgängen eingeladen und gesichtet werden. Je nach Landesverband sind dies regelmäßig stattfindende Tageslehrgänge.
Nach der Ermittlung des Leistungsstandes der Spieler und dem Schaffen einer gemeinsamen Basis zwischen Trainer und Spieler folgt die praktische Vermittlung von technischen und taktischen Elementen des Rollstuhlbasketballs. Aus den individuellen Mannschaftsmitgliedern soll eine Mannschaft geformt werden, die bundesweit mit anderen RBB-Kadermannschaften konkurrieren kann. Die weitere Vermittlung von Theorie und Praxis soll in Absprache mit den jeweiligen Vereinstrainern geschehen. Außerdem sollen die Spieler individuelle Trainingspläne zur eigenverantwortlichen Verbesserung der technischen, taktischen und physischen Fertigkeiten und Leistungs-fähigkeiten erhalten.
Zur Planung und Umsetzung gemeinsamer Aktivitäten und Absprachen zu länderübergreifenden Lehr- und Lerninhalten sowie zum Ab- und Vergleich von Spielerleistungen werden regelmäßige Kontakte – wie z. B. bei den jährlichen Kommissionstreffen oder Ländervergleichsturnieren – zu den jeweiligen Vereins-, Landes- und Nationaltrainern der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.
Talente sichten und fördern im Perspektivkader
Vor zwei Jahren wurde der Perspektivkader (PK) bzw. die U19 für Nachwuchstalente des Rollstuhlbasketballs ins Leben gerufen. Dies ist ein weiterer Baustein in der Nachwuchsförderung neben den Try Outs, den Rollstuhlbasketball Camps und den Landeskadern.
Hier werden die größten Talente aus ganz Deutschland gesucht, gesichtet und gezielt in Lehrgängen gefördert. Christa und Klaus Weber agieren als Trainergespann und bieten den jungen Talenten eine sehr intensive Förderung.
Mit Hilfe des PK soll der Nachwuchs noch früher erfasst werden als es mit den Landeskadern möglich ist. Junge SpielerInnen ab ca. 13 Jahren werden gesichtet und in den Grundlagen des Rollstuhlbasketballs trainiert. Pro Jahr finden derzeit vier Lehrgänge statt mit 12 – 14 Teilnehmern.
Die Sichtung erfolgt bei Try Outs, im Kontakt mit den Vereinen, Spielbeobachtungen im Ligabetrieb und in Zusammenarbeit mit den Landestrainern.
Der Perspektivkader bildet den Unterbau zu den Juniorennationalteams U23 Herren und den Damen. Die SpielerInnen erlernen und festigen die Grundlagen des Rollstuhlbasketballs.
Neben Grundtechniken wie Wurf, Passen und Fangen, Fahren, Dribbling und Ballhandling werden auch taktische Grundkenntnisse in Defense und Offence vermittelt.
Die besten PK-Nachwuchsspieler werden dann zu den Sichtungslehrgängen der U23 eingeladen. Wenn die jungen Spieler ein entsprechendes Leistungsniveau erreicht haben, steigen sie auf in den U23-Kader. 2008 wurden fünf Spieler aus dem PK in den Kader der Juniorennationalmannschaft berufen.
Intensivere Zusammenarbeit erwünscht
Wünschenswert wäre eine noch intensivere Zusammenarbeit mit den Vereinen, die ihre jungen talentierten Spieler dem Manager Harald Junk oder den PK Trainern Weber frühzeitig melden und auch motivierend auf den Nachwuchs und die Eltern einwirken sollten.
Unbedingte Voraussetzung für eine gute Entwicklungsmöglichkeit junger Spieler ist die optimale Integration in die Vereinsmannschaften.
Auch hier sind die PK-Trainer Christa und Klaus Weber offen für Fragen seitens der Vereine, falls sich die Integration etwas schwieriger gestalten sollte.

